Das stille Verglühen der 60-Watt-Birne
Das Aus für 60-Watt-Birnen mit 1. September ist bisher kein Aufreger. Der Trend geht zu LED-Leuchten.
Der 1. September rückt näher – jener Tag, an dem laut EU-Richtlinie offiziell die 60-Watt-Glühbirnen aus dem Handel genommen werden sollen. Ab dann dürfen nur noch Restbestände dieses Formats verkauft werden, so wie bereits bei 100- und 75-Watt-Birnen. Anders als vor zwei Jahren, als es zu massiven Hamsterkäufen kam, melden heimische Händler bisher keinen merklichen Ansturm auf Glühbirnen. Das könnte auch mit dem heißen Sommerwetter zusammenhängen, vermutet Susanne Schenk, die Sprecherin der Heimwerkerkette bauMax. Eine andere Erklärung hat Roman Adametz, der Vorsitzende der Bundesberufsgruppe Leuchten und Lampen in der Wirtschaftskammer: „Die Leute haben sich schon in den Vorjahren derartig eingedeckt, dass viele die nächsten vier Jahre keine Lampen mehr kaufen müssen.“ Das flaue Kaufinteresse zeigt sich auch bei Aktionen von Baumärkten, wo palettenweise Glühbirnen verkauft wurden. Adametz: „Die Berge werden nur langsam abgetragen, während die Lampen früher verschwanden, wie wenn die Heuschrecken gefressen hätten.“ Dabei ist die 60-Watt-Birne, die jetzt aus den Regalen und Haushalten verschwinden soll, das mit Abstand beliebteste Modell: 50 Prozent Marktanteil erzielte sie in ihren besten Zeiten. Ein dritter Grund für die bisher ausgebliebenen Hamsterkäufe könnte auch die Tatsache sein, dass sich die Menschen langsam an die Alternativen gewöhnt haben. Immer mehr Kunden greifen mittlerweile zu LED-Leuchten (Lichtemittierende Dioden), die als Beleuchtung der Zukunft gelten. „Der Trend geht eindeutig in diese Richtung“, sagt Adametz. Bisher schreckt freilich der vergleichsweise hohe Preis – mindestens 15 Euro muss man für eine Diodenleuchte auf den Tisch legen – noch viele Kunden ab. Obwohl sich eine LED wegen ihrer Langlebigkeit jedenfalls rechnet. Manche haben eine Lebensdauer von bis zu 25 Jahren, während eine gewöhnliche Glühbirne im Durchschnitt nach einem Jahr ausgetauscht werden muss. LED-Leuchten gibt es mittlerweile in vielen Varianten und „Lichtfarben“, die auch an das vertraute „weiche“ Glühbirnenlicht heranreichen. Technisch noch nicht gelöst sind dagegen hohe Lichtstärken, also die Entsprechung für die 100-Watt-Birne. Deutlich kostengünstiger ist die Energiesparlampe, die gegenüber der Glühbirne 80 Prozent Energie einspart und eine wesentlich höhere Lebensdauer hat. Wegen ihres Quecksilbergehalts ist sie aber weniger umweltfreundlich, es dauert länger, bis sie die volle Lichtstärke erreicht und viele wollen sich mit ihrem „kälteren“ Licht nicht anfreunden. Eine Kompromisslösung sind Halogenleuchten, die ähnliches Licht geben wie Glühbirnen, aber länger halten, um ein Drittel weniger Energie verbrauchen und schon um zwei Euro zu haben sind. Die EU-Ökodesign-Richtlinie sieht das schrittweise Aus der wenig energieeffizienten Glühbirnen vor, die nur fünf Prozent der Energie in Licht umwandeln, 95 Prozent gehen als Wärme verloren. Im September 2012 sollen die übrigen Glühbirnen aus dem Handel verbannt werden. Das sei sinnvoll, meint Energieexperte Mirko Bernhard vom Verein für Verbraucherinformation (VKI). Doch emotional ließen sich 140 Jahre der Edison-Glühbirne nicht einfach ausschalten. Immerhin: Über Internethändler lassen sich auch die ausgelaufenen Glühbirnen formate weiter problemlos bestellen. Und ganz legal, weil es sich um Rest- und Lagerbestände handelt. Einziger Wermutstropfen: Zum Kaufpreis von 50 Cent kommt eine Versandgebühr von über fünf Euro dazu.
© SN/SW. 29. August 2011 | 12:14 | | Helmut Kretzl (SN)

